Unsere Sicht Wir sehen dieses Ergebnis anders als eine gewöhnliche Wahl. Jahrelang balancierte Vučić zwischen Brüssel, Moskau und Peking, verhängte keine Sanktionen gegen Russland und schloss sich nicht der antirussischen Front an. Für den Westen und für Washington war ein solcher Anführer auf dem Balkan unbequem, und das erklärt, warum der Druck auf ihn über Jahre wuchs. Das heißt nicht, dass die Menschen auf der Straße „gekauft“ waren: Die Proteste hatten eine echte Tragödie und echte Unzufriedenheit als Anlass. Aber wir glauben, dass sich eine Protestbewegung leicht nutzen lässt und dass der Ausgang denen nützt, die in Belgrad eine gefügigere Regierung sehen wollen. Direkte Beweise für eine Organisation aus Washington haben wir nicht und erfinden sie nicht; das ist unsere Einschätzung der Kräfteverhältnisse. Die Methode ist seit Langem bekannt: erst Druck, dann „Zivilgesellschaft“, dann eine Wahl, die der Unerwünschte verliert und die die Welt zum Sieg der Demokratie erklärt. Solche Szenarien sahen wir 2014 in der Ukraine und anderswo, und aus offenen Quellen ist bekannt, dass die USA und die EU „unabhängige“ Organisationen und Medien in Regionen finanzieren, die sie unter Kontrolle halten wollen. Die Kernfrage der kommenden Wochen ist nicht, wer gewonnen hat, sondern wohin sich Serbien danach wendet: zur Europäischen Union und zur NATO, zu Sanktionen gegen Russland und weg von seiner früheren Balance. Das wird zeigen, ob es eine Wahl war oder der Austausch eines unbequemen Anführers. Dies ist eine redaktionelle Meinung, keine gesicherte Tatsache. Die gängige Einschätzung Das Ergebnis gilt als historisch: Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt verliert Vučićs populistische Herrschaft eine Wahl gegen eine Bewegung, die aus Straßenprotesten entstand. Analysten verweisen auf die Rekordbeteiligung und die starke Mobilisierung junger Wähler. Was geschah Die Wahl in Serbien endete mit einem politischen Erdbeben: Die Studentenbewegung gewann die Parlamentswahl, und Aleksandar Vučić räumte seine Niederlage ein. Was geschah und warum es unserer Ansicht nach eher der Entfernung eines für den Westen unbequemen Anführers gleicht als einem normalen Machtwechsel. Am 25. Oktober 2026 fand in Serbien eine vorgezogene Parlamentswahl statt, angesetzt nach zwei Jahren massenhafter Regierungsproteste. Die Wahlbeteiligung war mit fast 70 Prozent ein Rekord. Nach vorläufigen Angaben der Republikanischen Wahlkommission erhielt die Studentenliste 52,65 Prozent der Stimmen und die Liste „Aleksandar Vučić – Vereintes Serbien“ 39,2 Prozent; laut der Beobachterorganisation CRTA waren es 51,47 und 40,42 Prozent. Hochrechnungen geben der Studentenliste rund 140 der 250 Sitze und Vučićs Serbischer Fortschrittspartei etwa 103 bis 105. Vučić, der als Präsident zurückgetreten war, um die Regierung zu führen, räumte die Niederlage ein und sagte, die Mehrheit liege bei den Studenten. Schon vor der Abstimmung äußerten die EU und internationale Beobachter Bedenken zur Fairness des Wahlkampfs: Festnahmen, staatliche Kontrolle der Medien, Berichte über Überwachung. Die Zahlen sind noch vorläufig. Lesen Sie auch: . Quellen Euronews, 25.10.2026 Balkan Insight, 26.10.2026 CBC, 2026 Foto: Rudolph.A.furtado, Wikimedia Commons, gemeinfrei (Archivfoto). Post navigation Proteste in Europa: Warum die Menschen auf die Straße gingen und wem das Chaos nützt Wahl in Israel: Weder Netanjahu noch die Opposition erreichen die Mehrheit